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Dr. Gerald Näßer fährt auf seinem Pedelec-Tourenfahrrad.

Nicht alles war gelogen: Das Foto ist echt: Bei einer Informationsveranstaltung des ADFC über Pedelecs hatte Dr. Gerald Näser zumindest zur Probe einige Runden gedreht. Dagegen gibt es, soweit bakannt, derzeit keine Pläne für den Einsatz von Pedelecs in der Schwalmstädter Verwaltung und einen nachhaltigen Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur. 

Wiederum korrekt ist der Hinweis auf die im September geplante Veranstaltung zur E-Mobilität und die geplante Sternfahrt. Übrigens: Zu den Feierabendtouren immer dienstags sind alle eingeladen mitzufahren, auch die Schwalmstädter Vertreterinnen aus den politischen Gremien und Parteien sowie die Mitglieder der Verwaltung, immer um 18:00 Uhr auf dem Haaßehügel. Unser Dank geht an alle, die sich nach dem Lesen des Artikels beim ADFC gemeldet haben und an die SEK-News, die den Spaß mitgemacht und den  Beitrag auf ihrem Nachrichtenportal veröffentlicht haben.

Die Stadt Schwalmstadt geht voran und setzt voll auf E-Mobilität. Auf Initiative ihres Bürgermeisters Dr. Gerald Näser (CDU) will sie den städtischen Fuhrpark auf Pedelecs umstellen, Fahrräder, bei denen der Fahrer durch einen Elektromotor unterstützt wird. Schwalmstadt soll so zum Vorreiter in Hessen werden: Bis 2016 sollen 50 Prozent der PKW-Flotte ersetzt sein, bereits im April soll als erstes der Dienstwagen des Bürgermeisters ausgetauscht werden, die Nutzfahrzeuge sollen folgen.

Die überraschende Neuigkeit erfuhr der ADFC auf der letzten Sitzung des Schwalmstädter Radverkehrsbeirats. „Die Zeichen der Zeit stehen auf Fahrzeugen mit Elektroantrieb“, so Näser. Er liegt damit konsequent auf der Linie von CDU-Kanzlerin Merkel, die als Ziel vorgegeben hat, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen (Link http://www.stern.de/news2/aktuell/merkel-bekraeftigt-ziel-von-einer-million-elektroautos-2057278.html nicht mehr aktuell) zu bringen. „Weil das mit den Autos nicht so recht klappen will, müssen wir unsere Ziele mittelfristig flexibel anpassen“, so Näser. Die Elektroräder seien dabei die Alternative und bereits jetzt vollkommen ohne staatliche Förderung ein Erfolgsmodell, das den Autos längst den Rang abgelaufen habe. Die Schwalmstädter Verwaltung setzt sich mit ihrer Initiative an die Spitze dieser Bewegung.

Mit ihrem Vorstoß sind weitere Ziele verbunden. Natürlich müsse die Verkehrsinfrastruktur den neuen Anforderungen angepasst werden, damit die Verwaltung freie Fahrt auf ihren Wegen hat. Als erstes soll nun ein Radverkehrskonzept her, zuerst für Schwalmstadt und den Schwalm-Eder-Kreis, dann für Hessen. In Schwalmstadt würden konsequent sämtliche Hauptstraßenverbindungen mit Schutzstreifen für Radler ausgestattet, alle  Einbahnstraßen für Radfahrer in Gegenrichtung freigegeben, Autoparkplätze in Radabstellplätze mit nutzerfreundlichen Fahrradbügeln umgewandelt und Ladestationen für Elektroräder würden flächendeckend installiert. Nach dem Erfolg des Bahnradwegs Rotkäppchenland plane man nun einen Schnellradweg in die Kreisstadt Homberg auf der Trasse der stillgelegten Kanonenbahn und Richtung Süden in die Universitätsstadt Marburg, weitere könnten folgen.

Mit der schwarz-grünen Koalition in Wiesbaden habe man gute Voraussetzungen, dass sich etwas bewege. Näser erwartet dabei zum einen Unterstützung von den Parteifreunden in der Regierung, zum anderen sei davon auszugehen, dass auch der grüne Verkehrsminister Al-Wazir den Vorhaben positiv gegenüber stehe. Selten einmütig stehen auch die anderen Fraktionen des Schwalmstädter Parlaments hinter dem Beschluss: Ein gemeinsames Vorgehen von CDU, SPD, den GRÜNEN, FWG, FDP und den Linken in Sachfragen hat es seit Jahren nicht mehr gegeben.

Weitere Unterstützung kommt von der heimischen Wirtschaft. Bereits seit Jahren engagiert sich beispielsweise der Stromkonzern E.ON Mitte für die E-Mobilität in Nordhessen. Nachdem die Ziegenhainer Veranstaltungen zur E-Mobilität in den letzten Jahren zu einem Riesenerfolg wurden, wird die Veranstaltung in diesem Jahr auf ein ganzes Wochenende ausgedehnt, wodurch der Stellenwert der E-Mobilitätsveranstaltung nochmals steigt: Die E-Mobilitätsmesse in Ziegenhain am ersten Septemberwochenende wird eine von zwei Zentralveranstaltungen in Hessen sein. Zusammen mit der Windenergie bliebe die Wertschöpfung in der Region, so Thomas Keil, Leiter des E.ON Mitte-Regionalzentrums. Zum Rahmenprogramm dieses Events gehöre auch eine Pedelec-Sternfahrt, zu der hunderte Radler aus ganz Hessen im Schwälmer Mittelzentrum erwartet werden (mit Straßensperrungen für den PKW- und LKW-Verkehr muss gerechnet werden). Dr. Gerald Näser hat die Schirmherrschaft übernommen und wird die Strecke von Riebelsdorf nach Ziegenhain auf seinem Dienst-Pedelec mitfahren: „Um ein deutliches Zeichen in der Öffentlichkeit zu setzen“, wie er betont. Unterstützung kommt hierbei von den ADFC-Gruppierungen aus den hessischen Regionen, ADFC-Landesvorstandsmitglied Ulrich Wüstenhagen koordiniert die Sternfahrt von Seiten der Radfahrerorganisation.

So zögen Wirtschaft und Politik gemeinsam an einem Strang, was immer erklärtes strategisches Bekenntnis der Mannen um den Schwalmstädter Bürgermeister war und sei. Weitere positive Effekte der Schwalmstädter Pedelec-Flotte erwartet Näser für den Haushalt des nordhessischen Mittelzentrums: „Radfahren ist die kostengünstigste Fortbewegungsart. Darüber hinaus ist das Pedelec aber auch das beste Verkehrsmittel für die Umwelt, die Radverkehrsinfrastruktur verbraucht weniger Fläche als Auto und Bahn, und nicht zu vergessen: Radfahren hat nachgewiesenermaßen einen positiven Einfluss auf die Gesundheit: Es besteht damit die begründete Hoffnung, dass auch der Krankenstand in der Schwalmstädter Verwaltung sinken wird.“

Damit die Kondition stimmt, werden die städtischen Mitarbeiter nach Ostern bei den Feierabendtouren des ADFC mittrainieren, die jeden Dienstag ab 18:00 Uhr am Treysaer Haaßehügel starten.

Aktuelle Ergänzung

Auch die schwarz-grüne Landesregierung setzt ihrerseits Zeichen. Die Abwrackprämie für Fahrräder wird eingeführt. Hier finden Sie den Beitrag des Hessischen Rundfunks vom 1.4.

Foto

© Armin Happel

Text

R. Tripp

 

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