Zehn Asphaltcowboys und -girls machten sich am Sonntagmorgen auf, um mit Schwung und Elan über im Wortsinne aussichtsreiche asphaltierte Höhenzüge („Asphalt-Highways“) zu radeln. Die stickig-schwüle Luft machte uns zwar zu schaffen, aber wir wurden entlohnt durch herrliche Rundblicke vom Schwälmer Land bis zum Schwälmer Rand.

Es begann mit einem gemütlichen Anlauf auf dem Bahnradweg bis nach Loshausen, von dort ebenso gemütlich weiter bis zum Ortseingang von Leimbach, wo sich eine Einfahrt zu einer Gärtnerei mit Möglichkeit zum Kauf von Bio-Lebensmitteln befindet, die uns zu einer Erholungspause einlud. Die Gärtnerei gehört zum Gehöft der Jugendhilfe Leimbach, einer Einrichtung zur Betreuung von Jugendlichen vor allem mit Abhängigkeitsproblematik.

Dann ging es gestärkt weiter auf einem „Highway“ nach Wasenberg, nach der Ortsdurchfahrt dann auf dem nächsten Höhenzug vom Schwälmer Land in die Schwälmer Randregionen nach Wiera, wo einige verdutzte Autofahrer „sehr entgegenkommend“ waren.

Ab Wiera machten wir eine Berg- und Talfahrt bis Ortseingang Florshain. Von da an ging es bergab auf die Kreisstraße 101. Am Ortsende ignorierten wir den gemütlichen Weg „Am Biedenbacher Teich“, statt dessen fuhren wir entlang der K 101 weiter und hielten die Aussicht auf die sogenannte AreA 49 aus, ein geplanter Gewerbepark mit Direktanbindung an die 49, welcher die Region wirtschaftlich attraktiver machen soll.

Umweltinitiativen und Betroffene vor Ort hatten die Umgrenzung des über 30 Hektar großen Geländes mit Bändern eingezäunt, so dass wir uns beim Vorbeifahren über das Ausmaß dieser „sehr aussichtsreichen“ Perspektive (vor allem für die Menschen vor Ort) ein Bild machen konnten.

Einigen von uns reichte das nicht, denn die nahmen noch den holprigen Weg auf sich zum geschaufelten Grab, wo der Bodenschutz beerdigt wird ... – pardon! – zu einer Grabung, wo an einem schönen Tag Anfang des Monats im Rahmen einer Demonstrationsveranstaltung oben genannten Initiativen der Bodenkundler Markus Hammer-Weis von der Universität Witzenhausen an Hand von Proben den Boden als überdurchschnittlich ertragreich beurteilte. Auf diesem soll nach den AreA-49-Plänen besagter Gewerbepark „wachsen und gedeihen“ anstatt so'n Zeug wie Weizen, wo lediglich von Schwälmer Bäckereien Backwaren draus gemacht werden. Die Eindrücke, die wir mitnahmen, bewirkten, dass es einem Radler fast das Ketten-Schutzblech vom Rad riss und die geplante AreA 49 unter den teilnehmenden Personen kontrovers diskutiert wurde.

Trotz allem holten wir noch einmal Schwung für denHöhenzug nach Frankenhain, wo wir auf das Minigolfspielen verzichteten und uns an Info-Tafeln im Ort über dessen Geschichte etwas schlauer machten, die bis Ende des 17. Jahrhunderts zurückreicht. Damals wurden protestantische Glaubensflüchtlinge, die Hugenotten, angesiedelt, die dann in der Region auch wegen ihrer Arbeits- und Lebensweise einen bleibenden Eindruck hinterließen.

Schließlich ging es dann endlich bergab zum ersehnten Café-Ausklang in einem Bäckerei-Café in der Treysaer Bahnhofstraße, wo wir es uns – so gar nicht „hugenottisch asketisch“ – gut gehen ließen. Aber wir hatten es uns verdient.

Text und Fotos

© Andreas Koch; die beigefügten Bilder vom Frankenhainer Panoramablick über die Weiten des Schwälmer Landes sind allerdings schon am 2. August 2020 gemacht worden.