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Es gibt heutzutage nicht mehr viele große Abenteuer. Vor Kurzem war ich als Radfahrer aus der Kleinstadt unterwegs in der südhessischen Mainmetropole Frankfurt. Zwischen all den Hochhäusern, vorbei an Läden von Prada-, Boss- und Swarowski (einige der teuersten Läden lagen bemerkenswerterweise auf der Nobelmeile Goethestraße, die zur Fahrradstraße erklärt wurde) ging es vom Hauptbahnhof durch die City zum viereinhalb Kilometer entfernten Seminargebäude. Meine Eindrücke will ich hier schildern.

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Mitte April hatte ich eine einwöchige Fortbildung in Frankfurt. Wegen verschiedener Abendtermine in Schwalmstadt schied eine Übernachtung aus, also blieb nur der Zug. Zuerst hatte ich eine Verbindung herausgesucht, bei der ich mit U- und S-Bahn zu meinem Ziel gelangt wäre. Doch dann packte mich die Neugier und die Abenteuerlust: Wie geht Radfahren in der Großstadt. Gedacht, Getan. Im Radroutenplaner habe ich mir die Route erstellen lassen und sie in meinen Navi geladen. Mein Fahrrad hatte ich gerade komplett gewartet und gut eingestellt, also konnte es losgehen.

Mein erster Eindruck war: Hier sind eindeutig viele Menschen unterwegs – mit dem Öffentlichen Pesonennahverkehr, als Autofahrer/-in (Minis, schwere BMWs und auch schon mal der eine oder andere Ferrari), als Fußgänger/-in und eben auch viele als Radfahrer/-in, mit normalen Rädern, Liege- und Falt-Rädern, mit dem Tandem, mit dem Kinderanhänger und einigen anderen exotischen Gefährten. Für diese ist in den letzten Jahren in Frankfurt viel gemacht worden, die Infrastruktur wurde erheblich ausgebaut. Nach meinem Eindruck (vor allem, wenn man Vergleiche mit Schwalmstadt anstellt) gibt es dort, wo ich unterwegs war, ein gut geknüpftes Netz von Wegen für Radfahrer/-innen: auf der Fahrbahn markierte Radfahrstreifen, etliche Fahrradstraßen und Radwege. Dazu eine Vielzahl von Möglichkeiten, sein Fahrrad an Fahrradbügeln anzuschließen – was in Schwalmstadt und der Region eindeutig fehlt. Und wo diese nicht ausreichten, sah man viele Räder, die an Verkehrsschildern oder Schutzgittern befestigt waren. Unterwegs sind mir etliche Fahrradläden aufgefallen, meist in Hinterhöfen, es scheint ein großer Bedarf an Fachbetrieben zu bestehen – was bei der Masse der Räder kein Wunder ist. Radfahren in Frankfurt liegt eindeutig im Trend.

Das Verhalten der Verkehrsteilnehmer/-innen ist ein anderes als ich es gewohnt bin. Man hält sich im Allgemeinen nicht genau an die Vorschriften. Was mir am häufigsten aufgefallen ist: Radfahrer/-innen und Fußgänger/-innen überqueren durchaus bei roter Ampel die Fahrbahn oder Kreuzungen. Nur wenn viele Autos queren, und/oder es zu gefährlich ist, bleiben alle stehen. Schwierig (und teilweise gefährlich) finde ich die Reizüberflutung: Sehr viele Verkehrsteilnehmer/-innen sind unterwegs, die vielen Reklametafeln und Schilder lenken ab. So ist es mir beispielsweise passiert, dass ich eine kombinierte Fußgänger/-innen und Radfahrer/-innen-Ampel erst nach drei Tagen entdeckt habe. Ich weiß nicht, ob ich an den beiden ersten Tagen ohne es zu merken einfach bei Rot drüber gefahren bin.

Autofahrer/-innen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie überall parken, auch da, wo sie nicht sollen, zum Beispiel auf Radfahrstreifen. Dort stehen häufig Lieferwagen, deren Fahrer/-innen nur eben mal kurz ihre Lieferung abgeben wollen, aber auch PKW, deren Lenker/-innen nur eben mal schnell ihr Auto abstellen wollen, um kurz etwas zu erledigen. Für Radfahrer/-innen ist es dann schwierig und gefährlich, vorbeizukommen. Entweder, man weicht nach links auf den Autostreifen aus und gefährdet sich selbst oder man fährt über den Bürgersteig und gefährdet Fußgänger/-innen. So ist es mir auch öfter passiert, dass mich Autofahrer mit meiner Geschwindigkeit unterschätzt und überholt haben, um dann direkt vor mir nach rechts abzubiegen. Gut, dass ich die Bremsklötze an meinem Rad erneuert und gut eingestellt hatte, um sofort eine Vollbremsung machen zu können (ich kann die Marke mit den Hydraulikleitungen ohne weiteres weiterempfehlen, verkneife mir aber die Schleichwerbung).

Wichtig ist hier und in anderen Situationen, dass man das Verhalten der anderen antizipiert, vorwegnimmt. Wie wird die/der andere Verkehrsteilnehmer/-in im nächsten Moment reagieren: Wird der Fußgänger auf den Radweg treten, bleibt das Kind stehen, beachtet die Autofahrerin, die aus einem Grundstück fährt, meine Vorfahrt – oder eben nicht. In Frankfurt scheinen die Verkehrsteilnehmer/-innen – mehr als ich es gewohnt bin – damit zu rechnen, dass sich die anderen nicht an alle Regeln der StVO im Detail halten. Das heißt nicht, dass sich alle rücksichtslos verhalten würden, aber man gestaltet hin und wieder Situationen zu seinem Vorteil.

Mit dem Fahrrad kommt man in Frankfurt gut voran. Ein wesentliches Plus: Die Stadt ist überall flach, steile Anstiege wie im nordhessischen Bergland sucht man vergebens, auch wenn die Einheimischen das anders sehen (das höchste der Gefühle ist ein Hang wie der Bornheimer Hang, an Berge ist gar nicht zu denken, höchstens an den Ersatz in Form der Hochhäuser – ich lade gerne alle Interessierten zu unseren Touren ein, da könnt ihr mal sehen, was eine richtig knackige Steigung ist). Daher habe ich auch etliche Radfahrer/-innen unterwegs mit Single-Speed-Rädern gesehen – Rädern ohne Gangschaltung.

Die beiden ersten Tage musste ich unterwegs noch häufig auf meinen Navi schauen, um den richtigen Weg zu finden. Da bin ich auch einige Male stehengeblieben, um mich zu orientieren. Danach ging's ziemlich fix. Einmal habe ich die Durchschnittsgeschwindigkeit auf meiner 4,5 km langen Strecke nachgeschaut. 17,9 km/h während der Zeit, wo ich gefahren bin und 15,5 km/h über die gesamte Zeit, in der ich unterwegs war, sind ein ordentlicher Schnitt. Mit dem Auto ist man wahrscheinlich auch nicht wesentlich schneller. In einem Fall tauchte ein Auto der Stadtwerke über eine Strecke von 1,5 km immer wieder links von mir auf, bevor es woanders hin abbog.

Alles in allem war es eine sehr interessante Erfahrung, Frankfurt per Rad zu erkunden. Zusammenfassend kann man sagen, dass es eine andere Verkehrskultur gibt, das Verhalten der unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer/-innen weicht davon ab, wie ich es gewohnt bin. In jedem Fall ist die Infrastruktur fürs Radfahren in der Stadt weit besser ausgebaut ist als in unserer Region. Und schließlich kommt man im flachen Frankfurt besser voran und weniger geschwitzt als im hügeligen Treysa. Es hat eher den Charakter wie Ziegenhain.

Noch eine Beobachtung zum Schluss. In Frankfurt liegt das Geld zwar nicht auf der Straße, aber einige scheinen mehr davon zu haben. In einem exquisiten Radladen in der Innenstadt gab es die Fahrradausstattung für den etwas gehobeneren Bedarf. Hier lag ein Vorderrad (ohne Schlauch und Reifen) für 4.100 Euro in der Auslage. Ich muss gestehen, das ist nicht ganz meine Preisklasse.

 

 

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